Blogumzug

Ab sofort sind meine Artikel auf anderer Domain zu finden: kmupsycho.lydia-girndt.com. Ich danke wordpress.com für den ausgezeichneten bisherigen Service.

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Wo sitzt die Empathie?

Trotz der verbreiteten Symbolsprache voller Herzchen fummeln die Herzchirurgen nicht an unserer Empathie herum. Aber die körperliche Basis für die Empathie wurde inzwischen tatsächlich  gefunden: das System der Spiegelneuronen in unserem Kopf.

Spiegelneuronen sind Nervenzellen, die unwillkürlich feuern, sobald wir andere Menschen in ihrem Verhalten beobachten. Wenn wir jemandem zusehen, wie er sich einen Kaffee einschenkt, wird das Programm „Kaffee einschenken“ in unserem Kopf – genauer im prämotorischen Cortex – gestartet. Die Handlung muss daraufhin nicht ausgeführt werden, aber die Simulation läuft vollständig ab, inclusive der dazugehörigen Empfindungen.

Grob gesagt ereignet sich Folgendes: Das Sehzentrum (im Hinterhauptslappen Ihres Gehirns) leitet seine Beobachtung an das visuelle Interpretationssystem (im Schläfenlappen) weiter. Das interessiert sich für die Informationen nur, wenn ein lebender, handelnder Mensch beobachtet wird. Sonst ist hier Schluss – keine Empathie gegenüber Maschinen. Körperbewegungen und Mimik, hier insbesondere die Blicke, werden interpretiert und an das Spiegelsystem für Empfindungen und von dort an die Zellen für Handlungsplanung weitergeleitet. Direkt verbunden ist auch die Emotionsschaltzentrale, der Gyrus Cinguli (nein, nicht Gyros!). Gut beschrieben ist das Ganze in einem Buch von Joachim Bauer mit dem passenden Titel „Warum ich fühle, was du fühlst“.

Im Prinzip spüren wir also unmittelbar intuitiv, was im anderen vorgeht. Doch um einige Einschränkungen komme ich nicht herum:

Wir können nur im Rahmen der eigenen Denk- und Empfindungsmuster interpretieren und die meisten Situationen sind nicht eindeutig. Insbesondere bei Fremden können wir uns kräftig verfühlen, vor allem wenn sie aus einer anderen Kultur kommen.

  • Die Spiegelsysteme sind bei verschiedenen Menschen unterschiedlich gut ausgeprägt. Die grundsätzliche Anlage bei gesunden Menschen muss schon im Säuglingsalter genutzt werden, damit sie nicht verkümmert. Keine Sorge, im Normalfall wird sie das, aber eben unterschiedlich stark
  • Bei Angst und Stress leidet die Leistungsfähigkeit der Spiegelsysteme, sodass die Intuition sehr unzuverlässig wird. Übrigens senkt das auch die Lernfähigkeit. Möglichst viel Druck aufzubauen, ist also auch neurobiologisch fragwürdig.
  • Es ist von daher schon sinnvoll, dass wir auch über einen analytischen Verstand verfügen, der zwar langsamer ist, aber eine enorm gute Ergänzung.

Die spannende Frage ist nun, ob die Empathiefähigkeit verbessert werden kann, wenn Empathie so unwillkürlich abläuft. Darüber mehr im nächsten Artikel

Ich weise vorsichtshalber darauf hin, dass ich mich hier fröhlich von meinem Wissensschwerpunkt entferne. Wer mehr wissen möchte, kann sich zum Beispiel das oben genannte Buch zulegen oder auch Werke von Manfred Spitzer lesen. Anschaulich hat er die Entdeckung der Spiegelneurone in einer Sendereihe des BR erklärt.

Erfolgsfaktor Abgrenzung in der Führung

Es gibt Führungskräfte, die sich durch meinen letzten Artikel „Erfolgsfaktor Empathie in der Führung“ stark angesprochen fühlen. Das sind meist diejenigen, die darin ohnehin stark sind. So, wie wir auch sonst begeistert sind von Artikeln, Büchern und Menschen, die genau das sagen, was wir sowieso denken. Deshalb sei hier auch die andere Seite der Medaille erwähnt, die Abgrenzung.

Empathie ohne ausreichende Abgrenzung ist ungesund und ineffektiv. Vor lauter Verständnis für den anderen fällt es dann schwer, Kritik deutlich genug zu formulieren, größeren Einsatz zu fordern oder Entscheidungen zu vertreten, die ihm nicht passen. Read more »

Erfolgsfaktor Empathie in der Führung

Emotional ist Empathie eher anstrengend, wie ich im letzten Artikel dargestellt habe. Hier kommt jetzt das Trotzdem. Warum sollten Sie sich die Geschichte mit der Empathie trotzdem antun? Ganz einfach: Sie verbessert die Erfolgschancen.

Empathie hilft unter anderem,

  • den richtigen Ton zu treffen,
  • Missverständnisse zu vermeiden,
  • Konflikte frühzeitig zu erkennen,
  • die passenden Maßnahmen für unterschiedliche Menschen zu ergreifen und
  • ein Arbeitsklima zu schaffen, das die guten Mitarbeiter ungerne verlassen, auch wenn der Personalberater am Telefon mit einem interessanten Angebot lockt.

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Nichts für Warmduscher: Führung mit Empathie

Der Begriff „Empathie“ lässt sich mit „Einfühlungsvermögen“ übersetzen, meint die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. Empathie gehört also ganz klar zu den „weichen Faktoren“, den „Soft Skills“. Da liegt die Assoziation Weichei-Faktoren nicht sonderlich fern. Klingt „sich einfühlen“ nicht irgendwie nach Sozi-Psycho-Gequatsche, das gerade recht ist für Weicheier und Warmduscher, aber nichts für echte Führungskräfte?

Irrtum. Weicheier, Schattenparker und Warmduscher vermeiden alles was anstrengend, unbequem oder gar schmerzhaft sein könnte. Gerade dem setzen sich aber Menschen aus, die ihre empathischen Fähigkeiten benutzen. Read more »

Wir sind alle besser als der Durchschnitt

90% der Autofahrer glauben, besser als der Durchschnitt zu fahren, habe ich  irgendwo gelesen. Geht nicht? Richtig. Dann wäre ja der Durchschnitt kein Durchschnitt mehr, was ihn vielleicht freuen würde, aber trotzdem Unsinn ist.

Wenn ich mit Führungskräften Testergebnisse bespreche, sind die meisten von Ihnen enttäuscht, falls sie durchschnittliche Werte bei Eigenschaften aufweisen, die ihnen wichtig sind.

Obwohl ich kurz zuvor erläutert habe, dass ihre Aussagen mit denen einer Normstichprobe aus lauter Führungskräften verglichen wurden, muss ich nun erinnern: „Das bedeutet, dass Sie ähnlich leistungsmotiviert sind wie eine Mehrzahl der Führungskräfte aus der Normstichprobe. Es ist also angekommen, dass Leistung Ihnen wichtig ist, wie es auch hier im Test steht.“

Was ist da los? Können Geschäftsführer, Bereichs- und Abteilungsleiter mittelständischer Unternehmen plötzlich nicht mehr selber lesen und sind verstandesmäßig überfordert – selbst nach Erläuterung – von Zusammenhängen zwischen Normstichproben und Testergebnissen? Wohl kaum! Mit dem Verstand ist alles in Ordnung, aber ihr Wissen ist „Eunuchen-Wissen“: Man weiß, wie es geht, kann es aber nicht anwenden. Read more »

Mit dem Kopf durch die gläserne Decke

Vielleicht sind Sie schon einmal – mit den Gedanken gerade ganz woanders – gegen eine zu gut geputzte Glastür gelaufen. Wie schmerzhaft das wird, kommt aufs Tempo an, aber erschrecken tut man sich in jedem Fall. Eine Frau habe ich kennengelernt, die, bildlich gesprochen, mitten hindurch marschiert ist und schon weit weg war, als sie feststellte: Stimmt, da war was.

Ich nenne sie Frau Wirbelwind. Als ich sie kennenlernte, war sie Mitglied der Geschäftsleitung eines Maschinenbauunternehmens und hat mich mit einer einfachen Antwort auf eine komplizierte Frage überrascht. Frau Wirbelwind ist eine kleine, energiegeladene Frau mit jeder Menge Humor. Sie hat sich in einem technischen Umfeld von ganz unten nach oben gearbeitet. Dabei hat sie so einige Männer hinter sich gelassen.

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Selbstwertkiller: Fazit und Anmerkungen

(Dies ist der Abschluss zur  Serie „Zehn Selbstwertkiller“)

Sie haben alle Strategien umgesetzt und fühlen sich ziemlich wertlos? Seien Sie nicht stolz auf diesen Erfolg. Sicher gibt es Leute, die sich noch wertloser fühlen. Ich muss an dieser Stelle einmal zugeben, dass nicht alle die gleichen Voraussetzungen haben. Manche Menschen haben besonders gute Anlagen für die erwähnten Strategien, haben jahrelange Erfahrungen in ihrer Anwendung und manchmal schon in frühester Kindheit starke Komplizen gehabt, die ihnen die Grundüberzeugung, wertlos zu sein, vermittelt haben. Unter diesen Umständen ist ein Strategiewechsel in die Gegenrichtung ebenfalls ein hartes Stück Arbeit und sollte unbedingt mit professioneller, therapeutischer Unterstützung angegangen werden.

Wer sich mit den theoretischen Hintergründen zum Thema näher auseinandersetzen möchte, kann sich in das Buch „Selbstwertmanagement“ von Peter Kanning vertiefen und/oder sich über die Attributionstheorie informieren.

Selbstwertkiller 10: Geben Sie ein schwaches Bild ab!

(Dies ist der zehnte Tipp der Serie „Zehn Selbstwertkiller“)

Durch Körpersprache, Stimme, Auftreten und Symbole wie Kleidung, Schmuck, technische Geräte und Fahrzeuge können Sie deutlich zeigen, wie wenig Sie wert sind. So ziehen Sie die unter 8. erwähnten Komplizen magisch an, überzeugen sich aber auch selbst. Machen Sie sich körperlich klein, ducken Sie sich und nehmen Sie körperlich wenig Platz ein und Sie werden sich gleich schlechter fühlen und entsprechend wahrgenommen werden. Kleiden Sie sich nachlässig und preisgünstig, zumindest aber unauffällig. Wenn Sie aus Versehen doch die Aufmerksamkeit anderer auf sich ziehen, interpretieren Sie die Blicke auf keinen Fall als anerkennend, sondern fragen sich besser sofort, ob alle auf den Pickel unter ihrem rechten Ohrläppchen starren. Wenn Sie unbedingt etwas erzählen müssen, dann erzählen Sie von Ihren Schwächen und Misserfolgen. Sonst erkennt womöglich jemand trotz allem Ihr Potenzial und betraut Sie mit spannenden, herausfordernden Aufgaben. Darüber könnten Sie glatt Ihre eigentliche Mission vergessen.

Selbstwertkiller 9: Idealisieren Sie Ihre Kritiker

(Dies ist der neunte Tipp der Serie „Zehn Selbstwertkiller“)

Menschen mit ausgeprägter Selbstakzeptanz hören sich Kritik an und prüfen, was daran Wahres ist. Das gilt nicht, wenn Sie Ihr Selbstwertgefühl schwächen wollen. Dann haben die Kritiker immer recht und untertreiben auch noch. Insbesondere die unter 8. erwähnten Komplizen haben eine untrügliche Menschenkenntnis. Aber das ist noch nicht alles. Das Urteil der Komplizen ist nicht nur richtig, sondern auch für Sie persönlich extrem wichtig. Sie sollten sich alles, was Ihre Komplizen sagen, wirklich zu Herzen nehmen, denn deren Achtung zu erlangen und sie nicht zu enttäuschen ist nicht nur kriegs-, sondern selbstwertentscheidend. Schließlich halten sie es mit Ihnen aus und stecken ihre ganze kritische Energie in Ihre Weiterentwicklung! Unter Umständen reicht ein einziger Komplize, wenn es ihnen gelingt sich völlig von dessen Beurteilung abhängig zu machen.