Erfolgsfaktor Abgrenzung in der Führung
Es gibt Führungskräfte, die sich durch meinen letzten Artikel “Erfolgsfaktor Empathie in der Führung” stark angesprochen fühlen. Das sind meist diejenigen, die darin ohnehin stark sind. So, wie wir auch sonst begeistert sind von Artikeln, Büchern und Menschen, die genau das sagen, was wir sowieso denken. Deshalb sei hier auch die andere Seite der Medaille erwähnt, die Abgrenzung.
Empathie ohne ausreichende Abgrenzung ist ungesund und ineffektiv. Vor lauter Verständnis für den anderen fällt es dann schwer, Kritik deutlich genug zu formulieren, größeren Einsatz zu fordern oder Entscheidungen zu vertreten, die ihm nicht passen.
Für die, die es noch nicht bemerkt haben: Ich mag das Werte- und Entwicklungsquadrat, das darstellt, dass jeder positive Wert auch einen positiven Gegenwert hat, der ebenfalls gelebt werden muss, damit es keine destruktive Übertreibung des Guten gibt. Bezogen auf Empathie und Abgrenzung könnte es so aussehen:
Eine einseitige Betonung der Empathie birgt die Gefahr, von Mitgefühl zerfressen zu werden. Die Sichtweise und Gefühlslage des anderen wird quasi nicht nur eingenommen, sondern übernommen. Unangenehme Gespräche werden dann eher gemieden oder führen, wenn sie unumgänglich sind, zu psychosomatischen Beschwerden.
Damit die Führungsaufgaben effektiv gestaltet werden können ohne zu einer unendlichen Belastung zu werden, braucht die Führungskraft also zweierlei: Zum einen die Fähigkeit und den Willen, sich in andere hineinzuversetzen, zum anderen eine ausreichende emotionale Distanz, die ihnen hilft, nicht aus der Rolle zu fallen.
